Der große 50. Lebenstag nahte und zufällig war es Palmsonntag und wir waren alle aufgeregt und gespannt wie Cédric seine Taufe aufnehmen würde. Wir als Eltern waren umso hibbeliger, weil man nichts voraussehen kann und nur abwarten muss, welche Reaktion der Kleine auf eine große hallende Kirche hat. Wir hatten zwar zuvor den Berliner Dom besucht und dort auch Musik gehört, so dass die Atmosphäre für Cédric vielleicht nicht ganz so neu war. Aber diesmal drehte sich alles um ihn. Und im Nachhinein muss ich sagen, dass es ihm wahrscheinlich große Freude bereitet hat so im Mittelpunkt zu stehen. Das Ereignis war kurz zuvor geplant und mit dem Priester besprochen worden, so dass ich einen Überblick über die verschiedenen Stationen der Taufe hatte. Das Programm, das wir nachher gedruckt in Händen hielten, war beeindruckend, weil vorne ein Farbfoto aufgedruckt war, das Cédric zeigte – der Priester hatte mich gebeten, eines zu schicken. So kamen wir also am 1. April zur St. Ludwig Kirche, und zwar auf die Minute genau, begrüßten alle anwesenden zweiundzwanzig Menschen der Reihe nach und wurden vom Priester gefragt, was wir mit der Taufe verbinden. Mit dem Taizé Lied The Kingdom of God zogen wir dann durch die geöffneten Tore in die Kirche ein. Dazu muss man wissen, dass es eine Kuppelkirche ist, die sich durch einen weiten blauen mit Sternen gesprenkelten “Himmel” auszeichnet. Dementsprechend heilig wurde dieser Einzug. Im Laufe des Gottesdienstes wurden wir mit den Namenspatronen vertraut gemacht. So genau haben wir noch nicht gewusst, wer diese sind:
Cedd, Bischof der Ost-Angelsachsen, Klostergründer;
Anatolius von Laodicea, Mann der Morgenröte, Gelehrter, Bischof von Laodicea, Patron der Mathematiker
Wir durften dann im Altarraum den auserkorenen Paten Cédric in die Arme legen; der Täufling schlief bis zur eigentlichen Taufe mit Wasser. Der Wortgottesdienst wurde begleitet von Taizéliedern. Jeder der Teilnehmer durfte Cédric etwas für seinen Lebensweg wünschen; da waren wir Eltern wirklich gerührt, welche Glück- und Segenswünsche da ausgesprochen wurden. Der schönste davon: “Sei mutig!”
Bei der Crisamsalbung hatte Cédric seine Augen offen und schaute unverwandt den Priester an, der ihn unmittelbar anredete; das war ein sehr erhebender Moment. Und lustig obendrein, weil genau in diesem Moment Cédrics großes Geschäft stattfinden musste. Das sorgte für erheiternde Augenblicke.
Nach dem Gottesdienst erfolgte eine Fotoorgie, wenn man das so nennen darf, denn jeder wollte ein Andenken mitnehmen. Im Auto auf dem Weg zum Restaurant musste erstmal ein Nickerchen gehalten werden:

Das Restaurant bescherte uns leckeres Essen, aber auch eine Saunaatmosphäre, weil es viel zu warm war. Cédric schwitzte unter seinem Taufkleid und dem schicken dunkelblauen Hemd. Nach dem ausgedehnten Essen und angeregten Gesprächen, wobei es leider nicht möglich war, sich ausführlich mit den einzelne Gästen zu beschäftigen, brachen wir zu einem Spaziergang auf die Rosenhöhe auf, wo noch keine Rose blühte. Frische Luft genießen. Allerdings war es schon gegen 18 Uhr, als wir endlich Kaffee und Kuchen zu Hause veranstalteten und die Hälfte der Gäste verschwand schon, weil die Reise zurück so lang sein würde.